Filigraner Schmuck aus unedlem Material
Stadtmuseum zeigt im Knoblauchhaus Spitzenstücke der Königlichen Eisengießerei zu Berlin



Im Knoblauchhaus gleich bei der Nikolaikirche im gleichnamigen Viertel (Berlin-Mitte) dokumentiert die Stiftung Stadtmuseum Berlin bürgerliche Wohnkultur und Gastlichkeit in der Biedermeierzeit von etwa 1800 bis 1850. Namensgeber ist die Unternehmer- und Architektenfamilie Knoblauch.



Was sich vor den Toren von Berlin in der Eisengießerei tat, interessierte die Leute, und sie scheuten auf ihrer Besichtigungstour durch das „Feuerland“ weder Qualm noch Dreck.



Der preußische Adler bekrönt die Deckenleuchte aus geschwärztem Eisen, die vor einiger Zeit erworben werden konnte. Kunstvoll gestaltete Möbel sowie Gegenstände für Tische und Kommoden gehörten in gutbürgerliche Haushalte. Die Warwick-Vase steht im Schinkel-Zimmer des Knoblauchhauses.



Nur Besserverdienende, wie wir heute sagen würden, konnten sich Berliner Eisenkunstguss leisten. Für ein neogotisches Uhrengehäuse wurden 35 Reichstaler verlangt. Dafür musste ein Handwerker zwei oder drei Monate arbeiten.



Feine Damen legten eisernen Schmuck an, doch kam das aus „patriotischem Stoff“ bestehende Geschmeide bald aus der Mode. Mit Gold, Silber und Edelsteinen war mehr Staat zu machen.



Die berühmten Neujahrsplaketten der Königlichen Eisengießerei in Maßen von etwa 70 mal 90 mm liegen seit der Schließung des Märkischen Museums wegen Bauarbeiten im Depot, sollen aber eines Tages dort wieder ausgestellt werden.

Fotos/Repros: Caspar

Das Märkische Museum in Berlin
ist wegen Bauarbeiten noch mehrere Jahre eine Baustelle. Wann es wieder eröffnet wird, steht in den Sternen. Auch ohne einen Besuch des 1908 am Köllnischen Park eröffneten Gebäudes kann man an anderen Orten in die Geschichte und Kultur Berlins eintauchen. Die Stiftung Stadtmuseum zeigt in der Nikolaikirche, im Ephraimpalais und dem als Erinnerungsstätte an das biedermeierliche Berlin genutzten Knoblauchhaus seine Schätze. Das Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit der leicht geschwungenen Fassade hatte im Unterschied zur Umgebung den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder weitgehend unbeschädigt überstanden. Gezeigt wird nicht nur bürgerliche Wohnkultur der gehobenen Art aus der Zeit von etwa 1800 bis 1850. Deutlich wird, welche Künstler und Gelehrte in den edel mit Gemälden, Stichen, Möbeln, Porzellanen und kunstgewerblichen Arbeiten geschmückten, nicht allzu großen und hohen Salons und Arbeitszimmern weilte, welche Speisen in der Küche am offenen (!) Feuer zubereitet wurden oder auch wie ein mit schmalen Betten ausgestattetes Schlafzimmer möbliert war.

Möbel, Vasen, Tintenfässer
Die Ausstellung dokumentiert die Mühen der jüdischen Unternehmerfamilie Knoblauch und ihrer Freunde und Gäste, den Forderungen nach Freiheit und Fortschritt unter den Bedingungen der preußischen Monarchie, der Industriellen Revolution und des Aufbruchs in die Moderne gegen Reaktion und Kampf für demokratische Bestrebungen zum Durchbruch zu verhelfen. Die Stiftung Stadtmuseum besitzt eine bedeutende Sammlung historischer Erzeugnisse aus Eisenguss – künstlerisch verzierte Möbel und Gebrauchsgegenstände, Vasen und Lampen, Schreibtischgarnituren, Nachbildungen von Standbildern im Miniaturformat und filigranen Schmuck für Damen von Rang und Stand sowie Eisengussmedaillen und -plaketten und verschiedene Ausführungen des 1813 gestifteten und von Karl Friedrich Schinkel gestalteten Eisernen Kreuzes.
Im Knoblauchhaus zeigt das Stadtmuseum seit Kurzem eine kleine, aber feine Auswahl seines Eisenguss-Bestandes. Zu sehen sind filigrane Schmuckstücke, die in der Zeit der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 modisch wurden und von feinen Damen am Hals, Arm oder Finger getragen wurden. Zu sehen sind auch eiserne Kron- und Tischleuchter, Uhrgehäuse und Tintenfässer und weitere Gebrauchsgegenstände aus Eisenguss. Das Metall war in Preußen günstig zu haben und zu verarbeiten. Es passte gut in eine Zeit, da die Hohenzollernmonarchie nach dem verlorenen Krieg gegen Frankreich von 1806/7, dem Landverlust und den bedrückenden Kontributionszahlungen an das siegreiche Frankreich sparen musste wo immer es ging.

Fer de Berlin statt Silber und Gold
Die 1804 gegründete Königliche Eisengießerei Berlin war eigentlich dazu bestimmt, Geschütze und Munition, aber auch monumentale Standbilder und Einzelteile für Dampfmaschinen und weitere Geräte herzustellen. Dass sie auch hauchzarten Schmuck aus Fer de Berlin (Berliner Eisen) herzustellen vermochte, war eine große Errungenschaft und ein Alleinstellungsmerkmal, wie wir heute sagen würden. Neben der Königlichen Gießerei gab es auch Gießereien privater Unternehmer, die ihr Handwerk ähnlich gut verstanden. Da es noch keinen Musterschutz gab, habe man den einen oder anderen Guss kopiert. Deshalb sei nicht immer auszumachen, aus welchem Betrieb welches Stück stammt, sagt Elisabeth Bartel, Kustodin für Möbel, Eisenkunstguss, Friseurbedarf und verwandte Bereiche, bei einem Rundgang durch das Knoblauchhaus. Außerdem standen ihnen von Schinkel und anderen Künstlern gestaltete Musterbücher zur Verfügung, nach denen Modelle und Güsse geschaffen wurden. Die Eisenausstellung sollte eigentlich schon vor einigen Jahren aufgebaut werden, doch sei die Korona-Epidemie dazwischen gekommen. Der feine Kunstguss sei eine große Herausforderung für die Gießerei gewesen. Man verwendete phosphorhaltiges Eisen, das sich gut verflüssigen und gießen ließ. Die Einzelteile, aus denen Hals- und Armbänder oder Broschen bestehen, habe man nicht gelötet, sondern gestiftet, also mit Nägeln zu größeren Einheiten montiert. Eine Musterplatte zeigt in der Ausstellung, aus welchen winzigen Einzelteilen diese Objekte zusammengesetzt wurden.

Opfer auf dem Altar des Vaterlandes
Ein Gemälde in der Ausstellung zeigt Prinzessin Marianne von Preußen, die mit weiteren fürstlichen Damen im März 1813 den „Aufruf der königlichen Prinzessinnen an die Frauen im preußischen Staate“ erließ und den „Vaterländischen Frauenverein“ gründete. „Wir hegen das feste Vertrauen, es wollen die edelmütigen Frauen und Töchter jedes Standes mit uns dazu beitragen, dass Hilfe geleistet werde den Männern und Jünglingen, die für das Vaterland kämpfen (...) Nicht bloß bares Geld wird unser Verein als Opfer dargebracht annehmen, sondern jede entbehrliche wertvolle Kleinigkeit – das Symbol der Treue, den Trauring, die glänzende Verzierung des Ohres, den kostbaren Schmuck des Halses. Gern werden monatliche Beiträge, Materialien, Leinwand, gesponnene Wolle und Garn angenommen und selbst unentgeltliche Verarbeitung dieser rohen Stoffe als Opfer angesehen werden.“ Damit war die Kampagne „Gold gab ich für Eisen“ geboren, durch die in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 und späteren Kriegen bedeutende Geldsummen und Objekte aus Edelmetall auf den Altar des Vaterlandes gelegt wurden.
Die Neujahrsplaketten mit Darstellungen von Berliner Häusern, Kirchen, Standbildern und anderen Sehenswürdigkeiten sowie der Wiedergabe von künstlerischen Güssen eigener Produktion waren schon im 19. Jahrhundert ein beliebter Sammelgegenstand und sind es heute noch viel mehr. Allerdings muss man aufpassen, denn nicht alles, was auch auf diesem Gebiet echt und alt ausschaut, muß es auch sein. Es gibt viele Nachgüsse, die nur vom Kenner durch unscharfe Konturen und abweichende Maße von den Originalen unterschieden werden können. Eine Beratung im Berliner Kunstgewerbemuseum oder im Märkischen Museum und in anderen Sammlungen ist angebracht. Färbung durch gebranntes Leinöl
Nach der Bedrückung Preußens durch französische Besatzer und dem glücklichen Ausgang der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 erlebte die Eisengießerei ihre eigentliche Blüte. Lange Zeit war sie in Deutschland auf diesem Gebiet führend. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts traten andere Manufakturen an ihre Stelle, etwa die Kunstgießerei Lauchhammer, wo im ausgehenden 18. Jahrhundert erstmals auch Großplastiken in Eisen hergestellt wurden. Da die Oberfläche von Eisen nicht so ziseliert werden kann wie Bronze, Messing oder Silber, wurde bei den Eisengüssen großer Wert auf die Qualität der Gussformen und die Verwendung dünnflüssiger Masse gelegt. Lediglich wurden die Gussnähte entfernt. Die Schwärzung erfolgte durch Verwendung von Leinölfirnis, den man vorsichtig einbrannte. Das Verfahren diente sowohl der Verschönerung der Objekte als auch dem Rostschutz.
In weiteren Räumen des Knoblauchhauses wird an Karl Friedrich Schinkel und die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt erinnert, der hier oft zu Gast waren. Von Schinkel stammen die Entwürfe für Stühle, Tische und Gefäße. Eine nach antiken Vorbildern gestaltete Prunkvase aus Eisen, aber auch Miniaturfiguren von monumentalen Denkmälern ziehen neugierige Blicke auf sich. Zu sehen ist auch ein eisernes Räuchergefäß aus dem Besitz des berühmten Bildhauers und Direktors der Berliner Kunstakademie Johann Gottfried Schadow.

LITERATURTIPP: Elisabeth Bartel, Gudula Ancke, Annette Bossmann, Jan Mende und Andreas Teltow: Die Königliche Eisengießerei zu Berlin 1804 bis 1874. Die Sammlung Preußischer Eisenkunstguss in der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Verlag Willmuth Arenhövel Berlin 2004, 158 Seiten, zahlreiche Abb., ISBN 3-922912-61-3

2. Juli 2025